Alte Person mit Rollator mitten auf Fahrradweg

Auf der jüngst abgefeierten re:publica 2016 sprach Wolfgang Gründinger darüber, dass “alte Säcke” die Entwicklung dieses Landes in dringend benötigte Richtungen blockieren; hier zu sehen. Ich musste oft nicken.

Schauen wir uns mal Zahlen an. Die Altersverteilung der Mitglieder des 18. Deutschen Bundestags – vorgeblich die obersten Entscheider im Lande – war im September 2015 diese:

Das hatte ich mir ehrlich gesagt schlimmer vorgestellt; ein erklecklicher Anteil der Abgeordneten ist unter 50, und um die 100 sogar unter 40! Aber wie gut repräsentiert das die Wählerschaft? Betrachten wir zum Vergleich die Bevölkerung Deutschlands Ende 2014:

Da sieht man jetzt erstmal nicht viel. Die übereinandergelegten Lorenzkurven sind aussagekräftiger:

Also ja, die Entscheider sind deutlich älter als die, über bzw. für die sie entscheiden. Das ist vielleicht auch nicht im Grundsatz verkehrt; gute Entscheidungen zu treffen will gelernt sein und bedarf vielleicht einer gewissen (Aus-)Bildung1 und eines Weitblicks, der vielleicht eher in höherem Alter zu finden ist.

Nun ist Alter in Jahren, wie ein Zuschauer Gründigers Vortrags treffend kommentierte, natürlich keine Charakterisierung für Bremsertum. Ganze Heerscharen junger, intelligenter Menschen treten auf die Bremse bei gewissen Entwicklungen, weil sie Angst vor Konzernen, Staaten oder Nachbarn haben.

Dabei möchte ich übrigens gar nicht sagen, dass Bremsen immer schlecht ist. Naiver Aktionismus, zu dem vielleicht auch gerade Jüngere neigen, hilft meistens auch nicht.

Problematisch wird es dann, wenn Entscheider auf ihren eigenen Vorteil hinarbeiten, egal ob durch Bremsen oder Tun, statt eine nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft als Ganzes im Blick zu haben. Und für Letztere muss man die Interessen der Jungen und Ungeborenen (in deren Namen) beachten und vertreten, denn sie sind schließlich die, die mit der Entwicklung umgehen werden müssen! Das ist eine Forderung, die ich an Entscheider jeden Alters richte.

Also bitte gründlich und konstruktiv diskutieren, dann aber auch runter von der Bremse und tun. Wir sehen dann schon, wo wir landen und können bei Bedarf nachbessern. Predigen wir nicht überall Agilität? Auf zur agilen Gesellschaft!2 Vorwärts, seitwärts und – ja – auch mal rückwärts. Hauptsache nicht stehen bleiben und von der Herde überrannt werden!


  1. Leider haben wir viele Menschen auf Posten, für die sie nicht die passenden Erfahrungen und Kompetenzen haben. Auf der Liste der Landesminister für Bildung und Wissenschaft (Stand 23. Mai 2016) steht zum Beispiel nur ein Mensch mit MINT-Hintergrund, zwei Lehramtler mal nicht gezählt.

  2. Ich bin offenbar nicht der Erste, dem dieser Begriff einfällt. Beruhigend.