Schmetterling durch eine Seifenblase gesehen

Die Filter Bubble – das ist dieses böse Konstrukt, dass Google und Facebook und die, die es ihnen gleich tun, um uns herum spannen. Eine Blase, die die Informationsflut da draußen so filtert, dass uns immer gefällt, was wir lesen. So verdienen zumindest soziale Netzwerke ihr Geld, und eine Suchmaschine ist natürlich “besser”, wenn sie möglichst präzise raten kann, was ich lesen wollte. Ist das ein Problem?

Ja, sagt Eli Pariser, und ist damit wohl nicht alleine. Was bei Suchanfragen technischer Art ja noch in Ordnung ist, wirkt gleich viel bedrohlicher, wenn es um politische oder ethische Sachverhalte geht. Die Leute sollen gefälligst lesen, was wirklich Sache ist, und nicht, was ihnen gefällt! Sollen sich objektiv informieren, bilden eben, um dann zu sinnvollen Haltungen und Entscheidungen zu gelangen. Was sinnvoll ist, liegt natürlich im Auge des Betrachters.

In den letzten Monaten wird wieder viel Gehabe um die Bubble gemacht. Sozialen Netzwerke sollen uns besser vor Wirrköpfen schützen und Google möge doch bitte alle Firmen objektiv und fair ranken.1 Ich frage mich, alle ökonomischen Motivationen der Spieler mal beiseite lassend: wollen wir das wirklich? Ich glaube nicht.

Ich jedenfalls mag meine Google Bubble. Ich bin sehr dankbar, dass ich auf latex fitting problem (ausschließlich) Hinweise zu einem LaTeX Paket und nicht zu Schwierigkeiten mit Präservativen bekomme. Google kennt mich, und ist damit die hilfreichste Suchmaschine für mich. Und ich habe andere versucht, und nutze DuckDuckGo auch immer noch für Suchanfragen, die ich gerne nicht tracked und profiled haben möchte.2 Aber Google hat die besten Ergebnisse.

Und es ist doch in anderen Dingen nicht anders. Mal wählt aus, welche Blogs man liest und welche Podcasts man man hört. Man wählt aus, auf welchem Sender man Nachrichten schaut und welche Talkrunde man erträgt. Man wählt aus, welche Vorträge man besucht und welche Bücher man liest. Man wählt die Menschen aus, mit denen man debattiert. Man wählt die Freunde aus, mit denen man sich umgibt und unterhält.

Ich will sagen, wir haben in allen Lebensbereichen eine Filterblase, und das war auch schon immer so. Erst unfreiwillig, weil Informationen ohnehin schwierig zu bekommen waren, und später durch Auswahl der Kanäle, die man verfolgte. Heute, wo wir diese Aufgabe gar nicht mehr selbst erfüllen können, selbst wenn wir es wollten, machen das eben von findigen Menschen programmierte Maschinen für uns. Wolltet ihr das Internet ohne Filter nutzen müssen? Ich nicht.

Wir haben schon immer gefiltert und filtern lassen, was wir lesen und hören. Das wird sich wohl auch nicht ändern. Wir können schlichtweg nicht alles aufnehmen, was es gibt. Sollten wir also wüst auf die Firmen schimpfen, die uns dabei helfen? Ich finde nicht – auch wenn diese Firmen Geld damit verdienen.

Wie immer ist die Lösung: kümmer dich.

Mach dir bewusst, was du zu welchem Zweck konsumierst. Facebook ist das Äquivalent zu einem Kneipenstammtisch; man kann wunderbar streiten, sich aber nicht balanciert informieren. Blogs und dergleichen sind üblicherweise höchstens auf dem Level wie Kolumnen und Kommentare in Zeitungen – Meinungsbeiträge eben, bestenfalls anekdotisch belegt. Zeitungen und andere Einrichtungen, die journalistischen Prinzipien folgen, informieren hoffentlich halbwegs balanciert; hier muss man die Leitwerte der Redaktion auf Kompatibilität prüfen. Und ja, jede einzelne Suchmaschine bildet das Internet auch nicht repräsentativ ab.

Die Informationen sind da. Solange uns bewusst ist, dass, wo und wie wir filtern, ist alles gut. Wenn wir einmal Ungefiltertes wollen, können und müssen wir aus der Filter Bubble hinaus – das ist aber unsere ganz ureigene Verantwortung als mündige Bürger, und die kann uns keine Firma nehmen.


  1. Dieser Artikel war mit Google übrigens nicht zu finden.

  2. Und als Standard im Browser, weil die Bangs unwahrscheinlich praktisch sind.