Hand greift den Maschendrahtzaun

Die Wintermonate waren politisch schwierig. Viel mehr Flüchtlinge als sonst kamen nach Deutschland. Inkompetenzen wurden offenbar, Ängste wurden lauter, Gemüter kochten hoch. Die Nachrichten waren voll von den immer gleichen Fragen: Sollen wir Flüchtlinge aufnehmen? Wenn ja, wie viele? Was sollen wir mit ihnen tun, bzw. was wollen wir, dass sie tun, wenn sie hier sind? Ich finde, das sind die falschen oder zumindest langweilige Fragen.

Sollen wir Kriegsflüchtlingen Asyl gewähren? Na klar, keine Frage. Das ist nicht nur unsere moralische sondern auch völkerrechtliche Pflicht. Nur, weil andere Gesellschaften diese Verantwortung ablehnen, gibt uns das keinen Freifahrtsschein.

Wie wickeln wir die Aufnahme und Unterbringung vieler Menschen in kurzer Zeit so ab, dass alle Seiten zufrieden sind? Das ist eine reine Organisationsfrage. Ein paar kompetente Leute, an den richtigen Stellen platziert und mit passenden Budgets ausgestattet, könnten die Situation vermutlich zügig entschärfen.

Nein, die spannende Frage ist diese: Was, wenn wir voll sind?

Ich weiß nicht, wie viele Menschen wir aufnehmen können, bis Deutschland an ihr Limit stößt; ich vermute, die Zahl liegt irgendwo zwischen einer und zwanzig Millionen. Aber es gibt diese Zahl, und zwar unabhängig davon, ob man politisch oder sachlich denkt, also ob man die Unterstützung in der Bevölkerung oder tatsächliche Machbarkeit bezüglich verschiedener Ressourcen als Maßstab nimmt.

Was machen wir, wenn wir dieses Limit erreichen?

Verteidigen wir unsere Grenze am Ende doch mit der Waffe?
Fahren wir die Menschen mit LKWs weg, wohin auch immer?
Lassen wir das Land an Unzufriedenheit und/oder Überlast zusammenbrechen?
Hast du eine Idee?

Ich nicht. Aber diese Frage wird nicht beantwortet. Sie wird nicht einmal gestellt! Den Hysterikern von Pegida und Co. auf der einen Seite ist jetzt schon alles zu viel, obwohl wir offensichtlich den derzeitigen Zustrom stemmen können, ohne die Lebensqualität im Land ernsthaft zu gefährden. Die Gutmenschen auf der anderen Seite lassen die Frage gar nicht zu, weil sie nicht ins Weltbild passt. Politischer Selbstmord ist sowieso jede Antwort, also hebt auch sonst niemand die Hand.

Ich wünsche mir, dass wir laut darüber reden, was wir machen, wenn. Dazu müssen wir gar keine Zahl festlegen! Ich wünsche mir, dass wir uns einigen, dass alle Optionen Mist sind. Und dass wir folgerichtig alles dafür tun, dass es dazu nicht kommt, was genau eines heißt: wir müssen uns dafür einsetzen, dass weniger Menschen fliehen müssen.

Das kann doch so schwer nicht sein?! Wir müssen nur wollen.